Katatraining: Weniger ist manchmal mehr

Um ein Missverständnis direkt auszuschließen: Es geht nicht darum, einen Grund zu finden, das nächste Katatraining ausfallen zu lassen. Vielmehr rückt das Weglassen als Methode in den Mittelpunkt.Die Fragestellung lautet also: Was kann im Katatraining weglassen werden, so dass auch noch ein Nutzen daraus entsteht? Und welcher Nutzen kann dies sein?

036 Katatraining Weniger ist manchmal mehr

Weglassen als Methode im Katatraining

Die Antwort auf die erste Frage lautet: Die Armbewegungen. Das heißt, es wird weggelassen, worauf oft das größte Augenmerk liegt. Was verbleibt sind Fußtritte, Stände, Wechsel zwischen diesen, sowie Veränderungen ohne Bewegung der Füße z. B. der Einsatz der Hüfte. Daraus lässt sich die Antwort auf die Frage nach dem Nutzen ableiten: Die Aufmerksamkeit der Trainierenden wird bei der Ausführung ohne Arme automatisch auf den Unterbau inkl. Hüfte gelegt. Dies kann neue Herausforderungen zu Tage befördern. Beispielsweise bei einem Wechsel der Hüftposition ohne Bewegung der Beine, kann diese Bewegung aufmerksamkeitstechnisch nicht mehr von den Armen überschattet werden.

Der veränderte Schwierigkeitsgrad

Man sollte meinen, dass mit dem Weglassen der Arme der Schwierigkeitsgrad der Kata sinkt. Dieser Aspekt ist auch nicht von der Hand zu weisen. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Herausforderung, da unter diesen veränderten Bedingungen ein Teil der Orientierung ersatzlos wegbricht (die Arme). Zudem treten die beschrieben Herausforderungen in den Vordergrund. Die Hände werden bevorzugt in die Hüfte gestützt und sind damit nicht nur gut verstaut, sondern können zur Kontrolle der Hüftarbeit dienen.

Das Spiel mit den Kommandos

Bezüglich den Kommandos stehen, bei Ausführung einer Kata ohne Arme, drei unterschiedliche Möglichkeiten zu Verfügung:

  1. Verringere Kommandozahl: Da (augenscheinlich) von manchen Kommandos nur die Arme betroffen sind, würde bei diesen Kommandos keine Bewegung stattfinden. Daher können diese weggelassen werden. Anders ausgedrückt: Die Trainierenden fahren bei jedem Kommando mit der jeweils nächsten Bewegung der Kata fort, in welche der Unterbau involviert sind. Beispiel: Am Anfang von Heian Nidan bedeutet dies, dass auf das erste Kommando der Kokutsu-Dachi nach links, auf das zweite Kommando der Kokutsu-Dachi nach rechts eingenommen wird.
  2. Unveränderte Kommandos mit „leeren Kommandos“: Die Kata wird genau so gezählt wie sonst auch. Die Trainierenden pausieren bei Kommandos, denen ausschließlich eine Armbewegung zugeordnet ist. Beispiel: Während bei Heian Nidan beim ersten Kommando der Kokutsu-Dachi nach rechts eingenommen wird, findet bei Kommando zwei und drei keine Bewegung und erst bei Kommando vier der Wechsel in Kokutsu-Dachi nach rechts statt.
  3. Unveränderte Kommandos ohne „leeren Kommandos“: Die Kata wird in dieser Oberstufenvariante unverändert gezählt. Bei Kommandos, denen ausschließlich eine Armbewegung zugeordnet ist, wird die Technik ausgeführt, ohne die (übermittelnden) Extremitäten des Oberkörpers (die Arme) zu verwenden. D. h. hier steht der Teil der Bewegung im Vordergrund, der von außen nicht durch eine deutlich sichtbaren Bewegung gekennzeichnet ist. Beispiel: Aus Kokutsu-Dachi nach links (Kommando eins in Heian Nidan), wird auf das Kommando zwei der geöffnete Körper geschlossen und auf Kommando drei wieder geöffnet. Auf Kommando vier folgt der Wechsel in Kokutsu-Dachi nach rechts.

Foto: TeroVesalainen / pixabay.com

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