Ushiro-Geri im Detail: Eine technische Analyse

Die technische Ausführung von Ushiro-Geri kann im Detail bei zwei Karateka vollkommen unterschiedlich sein. Diese sich meist nicht selbst offenbarenden Unterschiede, mit ihren unmittelbar verbundenen Auswirkungen, bergen wertvolle Verbesserungspotentiale.

041 - Ushiro-Geri Analyse

Anlässlich eines Kommentars zum Artikel Ushiro-Geri: Die Drehung variieren liefert dieser Artikel eine technische Analyse von Ushiro-Geri unter dem Gesichtspunkt der zeitliche Abfolgen der Teilbewegungen. Das Besondere an diesem Aspekt gegenüber anderen ist, dass sich für ein und die selbe Technik aufgrund des Timings unterschiedliche Bewegungsabläufe ergeben. Die beiden Abläufe werden gegenübergestellt und bezüglich ihrer Vor- und Nachteile untersucht. Diese lassen klare Rückschlüsse zu, in welche Richtung die technische Ausführung von Ushiro-Geri optimiert werden kann.

Ushiro-Geri Grobform

Ushiro-Geri aus Zenkutsu-Dachi in Blickrichtung treten: Das Ziel befindet sich gerade vor dem Trainierenden. Dazu dreht der Körper um 180 Grad über den Rücken und stößt das ursprünglich hintere Bein geradlinig ins Ziel. Mit dem Absetzen des Beins dreht der Körper in die gleiche Richtung um nochmals 180 Grad weiter. Mit Abschluss der Bewegung wurde eine gute Schrittlänge nach vorne zurückgelegt. Die Auslage wechselt damit.

Die folgenden Abschnitte erläutern, wie die beiden Varianten die soeben beschriebene Grobform im Detail umzusetzen.

Variante Isolation

Während beide Füße auf der Stelle verweilen (und natürlich mitdrehen), wird zunächst nur der Körper über den Rücken um 180 Grad gedreht. Anschließend wird die Ferse gerade nach hinten gestoßen. Nachdem so die Endposition des Ushiro-Geri erreicht ist, wird das Bein zurückgezogen und abgesetzt. Drehung und Tritt werden also streng sequentiell ausgeführt. Sie sind voneinander isoliert.

Variante Überlagerung

Die Bewegungskomponenten Drehung und Tritt werden in dieser Variante überlagert. Grob lässt sich das so beschreiben: Das hintere Bein startet und wird gegen das vordere Bein. ca. etwas oberhalb der Kniebeuge geklappt. Gleichzeitig bewegt sich der Körperschwerpunkt in Richtung des Ziels. Währenddessen dreht der Körper auf dem vorderen Bein um 180 Grad über den Rücken. Die Ferse ist frühestmöglich auf das Ziel ausgerichtet und wird weiter geradlinig ins Ziel geführt. Nachdem so die Trefferposition des Ushiro-Geri erreicht ist, wird das Bein zurückgezogen und abgesetzt.

Fließende Grenzen

Die beiden Varianten Isolation und Überlagerung stellen zwei Extreme dar. In der Praxis ist der Übergang dieser beiden Varianten fließend. D.h. es findet weder eine vollständige Trennung noch eine vollständige Überlagerung statt. Vielmehr wird beispielsweise zuerst mit der Drehung begonnen und das tretende Bein startet danach, aber bevor die Drehung abgeschlossen ist. Die abgebildete Grafik visualisiert den fließenden Übergang zwischen den Varianten Isolation und Überlagerung, indem diesen der geschätzte Anteil an Karatekas, welche diese jeweilige Ausführung pflegen, zugeordnet werden.

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Vorteile und Nachteile

Die Betrachtung der wesentlichen Vor- und Nachteile bezieht sich auf die beiden extremen Varianten.

Isolation Überlagerung
Geschwindigkeit Durch den sequentiellen Bewegungsablauf wird vom Bewegungsstart bis zum Auftreffen von Ushiro-Geri im Ziel mehr Zeit benötigt. Durch die Überlagerung ist der Tritt schneller im Ziel.
Schwierigkeit Die Trennung von Drehung und Tritt ermöglicht es Ushiro-Geri-Einsteigern direkt im Training mitzumachen. Die Koordination der gleichzeitigen Körperbewegungen ist deutlich anspruchsvoller. Ohne eine spezifische Hinführung ist es nur schwer möglich sich dieser Variante zu nähern.
Reinform Kann problemlos von Anfang an gemeistert werden. Es erfordert stetiges Arbeiten an dieser Technik um sich der Reinform allmählich anzunähern.
Konterpotential Da die Waffe (Ferse des tretenden Beins) sich nach der Drehung noch am Boden befindet, aber schon Zeit vergangen ist, in der der Gegner den begonnen Angriff erkennen kann, ist die Gefahr in die ungeschützte Körperrückseite gekontert zu werden recht hoch. Die Ferse ist deutlich früher auf das Ziel ausgerichtet und kann den versuchten Konter so leichter in den Ushiro-Geri laufen lassen. Auch ist der Ushiro-Geri Ansatz für den Gegner schwieriger zu erkennen wenn das Bein ggf. sogar noch etwas vor der Körperdrehung startet.

Welche Variante von Ushiro-Geri trainierst Du? Fallen Dir noch weitere Vor- und Nachteile ein? Teile Deine Sicht mit einem Statement unten in den Kommentaren.

Foto: Karate – The Art of „Empty-Hand“ Fighting von Hidetaka Nishiyama & Richard Brown

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